Welchen Stellenwert hat Sport im Lebenslauf?

Welchen Stellenwert hat Sport im Lebenslauf

Hobbys im Lebenslauf: Ja oder nein? Deine persönlichen Interessen aufzulisten wird von manchen Branchen und Unternehmen geschätzt, von anderen als unprofessionell belächelt.
In der Sport- und Outdoor Industrie hingegen wird dein persönliches Interesse am Sport nicht nur gern gesehen, sondern meist sogar vorausgesetzt. Sport gehört also zu den essentiellen Bestandteilen des Lebenslaufs im Business. Denn deine sportliche Aktivität gibt nicht nur Einblicke in deine Persönlichkeit, sondern zeigt auch, ob du zur Marke und ihrem Produktportfolio passt.

Wie wird Sport im Lebenslauf interpretiert?

Ein Recruiter sieht in deinem angegebenen Hobby zwei Dinge:
A) Ein Einblick in deine Persönlichkeit und B) Dein Verständnis für eine Marke und ihre Produkte

Was sagt welche Sportart über deine Persönlichkeit aus?

Alle Sportarten zeigen, dass du körperlich aktiv bist. Die Bedeutung von körperlicher Fitness bzw. regelmäßiger Bewegung auf deine physische und mentale Gesundheit ist nicht nur für dein Wohlergehen wichtig, sondern wird auch von Personalverantwortlichen erkannt. Sportliche Menschen sind oft stressresistenter und konzentrierter, da Sport Stresshormone abbaut und das Nervensystem stärkt. Du zeigst damit, dass du einen Ausgleich zu deiner Arbeit schaffen kannst, was sich langfristig auch positiv auf die Jobzufriedenheit auswirkt.

Bestimmte Sportarten werden außerdem gern mit bestimmten Soft Skills assoziiert. Grundsätzlich gilt: Wenn du dein Hobby regelmäßig ausführst zeigst du, dass du zuverlässig bist und Selbstdisziplin mitbringst, egal, um welchen Sport es sich handelt.

  • Mannschaftssportarten: Mannschaftssportler sind es gewohnt, in einem Team zu agieren, es sind buchstäblich Teamplayer. Als Fußballer, Basketballer, Handballer und co. zeigst du also, dass du soziale Skills wie Einfühlungsvermögen, Kommunikationsstärke und Kooperationsfähigkeiten mitbringst.
  • Extremsportarten: Surfen, BMX, Downhill Biken oder Skaten, Freeski und co. – die nicht-so-klassischen Sportarten werden immer beliebter, was auch das Bild von ihnen langsam, aber sicher transformiert. Vor 20 Jahren haben viele Recruiter Actionsport als negativen Punkt in deiner Bewerbung angesehen, da das Risiko, dich zu verletzen und somit auszufallen, deutlich höher ist als in konventionellen Hobbys. Heutzutage, zumindest in der Sportindustrie, sieht das ganz anders aus. Natürlich zeigen die oben genannten Aktivitäten eine gewisse Risikobereitschaft, aber das kann man auch positiv interpretieren. Mut, neues auszuprobieren und ein gesundes Selbstbewusstsein sind relevant für viele Sport Jobs, bei denen nicht nur operatives Tagesgeschäft auf dem Plan steht. Außerdem haben Extremsportler oft moderne statt traditionelle Ansichten, sind offen und neugierig.
  • Selbstorganisierte Sportarten: Joggen, Walken, Fitnesstudio und co. Sportarten, bei denen du dich selbst organisierst, werden gerne mit Struktur, Organisation, Gewissenhaftigkeit, Ausdauer und Zuverlässigkeit assoziiert. Jeder, der 05:30 Uhr vor der Arbeit erst noch Joggen geht, kann das sicher bestätigen.
  • Outdoor Sportarten: Wandern, Trailrunning, Mountainbiken – diese Sportarten werden vor allem von Outdoormarken gern gesehen. Normalerweise zeigen Sportarten, die du in der Natur oder sogar abhängig von dieser ausführst, dass du ein besseres Verständnis für deine Umwelt hast. Outdoorsportler haben meist aus ausgeprägteres Umweltbewusstsein. Nachhaltigkeit ist ihnen bei Produkten und Unternehmen oft wichtig. Willst du dich also bei eine Unternehmen mit Nachhaltigkeitsrichtlinie bewerben, passt du mit deiner Outdoorliebe meist gut in die Unternehmenskultur.

It’s a match: Dein Sport deckt sich mit den Produkten der Marke

Du brennst für einen Sport, vielleicht sogar für eine bestimmte Marke und auf einmal posten sie eine Stellenanzeige, die nach deinem Wunschjob klingt – das ist das Idealszenario.
Wenn dein Hobby, sprich deine ausgeführte Sportart, stellenrelevant ist, wertet dies deinen Lebenslauf immer auf. Das kann z.B. Trail Running sein, wenn du dich für eine Outdoor Marke bewirbst, oder Snowboarden bei einer Wintersportmarke. Denn im Normalfall weißt du selbst, was du von einem Produkt oder einer Marke erwartest, dass du selbst nutzen würdest und kannst deine Perspektive ins Unternehmen positiv einbringen.


Das sagen Personalverantwortliche zur Relevanz von Sportinteresse bei Kandidaten:

“Es geht darum, den Zugang zur Zielgruppe, zum Markt, den Blickwinkel zur Sportindustrie zu haben. Da hilft es sicherlich, selbst auch sportlich aktiv zu sein. Wenn jemand sich zweimal die Woche die Laufschuhe schnürt, reicht das aus. Das muss kein Marathonläufer sein.”

Nils Grote, Sales Manager bei Altra

“Um ehrlich zu sein, denke ich, dass man, wenn man für eine Lifestyle- oder Outdoor-Marke arbeitet, eine Leidenschaft für das haben sollte, was die Marke tut und repräsentiert. Meiner Meinung nach kann man sich nur dann voll einbringen. Wenn du für die führende Outdoor-Marke arbeiten willst, musst du eine Leidenschaft für die Natur haben.”

Marco Mombelli, Brand Experience Manager bei The North Face

Zudem gibt es im Unternehmen sicher viel Teammitglieder, die ähnliche Hobbys wie du mitbringen, was sich positiv auf die Stimmung und Unternehmenskultur auswirkt. 

Wie sieht es aus, wenn du Sport treibst, dieser aber nicht dem Produkt der Marke entspricht? Das tut im Normalfall deiner Bewerbung keinen Abbruch. Gute Team Leads wissen, dass eine Mischung verschiedenster Persönlichkeiten ein gutes Team ausmachen, da sie sich ergänzen, unterschiedliche Perspektiven und Anstöße einbringen. Du zeigst trotzdem ein Interesse für Sport und die damit verbundenen Werte, die in der Sportindustrie so wichtig sind.

Welche Sportarten gehören nicht in den Lebenslauf?

Im allgemeinen gilt: Ist dein Hobby nicht stellenrelevant, hat es im Lebenslauf nichts zu suchen. Wie aber bereits erwähnt, ist Sport in der Sportindustrie – wie der Name schon sagt – eigentlich immer jobrelevant. Eigentlich gibt es sportbezogen also wenige Tabus im Lebenslauf. Wichtig ist nur, dass du es nicht übertreibst. Du musst nicht alle Sportarten angeben, die du betreibst, entscheide dich statt dessen für 1-3, die du regelmäßig machst und die zur Stelle passen. 

Ein paar Ausnahmen gibt es allerdings schon:

Ist das Unternehmen ein Traditionsunternehmen macht es sicher mehr Sinn, eher konventionelle Sportarten anzugeben – obwohl ein ungewöhnliches Interesse sicher auch Aufmerksamkeit auf deine Bewerbung lenken oder eine persönliche Verbindung herstellen kann.

Setzt ein Unternehmen auf Nachhaltigkeit, ist Motocross vielleicht auch nicht die beste Wahl im Lebenslauf. 

Bedeutet: Entscheide je nach Bewerbung individuell, angepasst auf das Unternehmen, was du angibst, und was nicht.

Wie gebe ich Sport im Lebenslauf an?

Und wie trage ich meine Hobbys nun in der Bewerbung ein? Am besten setzt du sie als Unterpunkt in deinen Lebenslauf. Hobbys gehören außerdem immer ans Ende des Lebenslaufs, da in erster Linie deine Fachkenntnisse für eine Rolle Priorität haben.

  • Überschrift: „Interessen und Engagement“ oder „Persönliche Interessen“
  • Anzahl: Maximal 1-3 Sportarten, am besten jobrelevante Sportarten auswählen
  • Statt Liste eine persönliche Beschreibung:
    • Wenn du „Laufen“ oder „Fahrradfahren“ aufführst, wirkt das etwas unpersönlich und geradezu langweilig. Beschreibe dein Hobby etwas ausführlicher und im Detail
    • Beispiel: Joggen: Morgendliche 5km Laufrunde seit 5 Jahren 
    • Beispiel: Basketball seit meinem 15. Lebensjahr, aktuell Shooting Guard bei MTV Kornberg Towers in der Regionalliga

Meilensteine und Erfolge – aufzeigen oder nicht aufzeigen?

Meilensteine und Erfolge gehören an sich nicht in den Lebenslauf, denn du bewirbst dich ja nicht auf eine Stelle als Sportler für eine Mannschaft. Darüberhinaus kann es schnell so wirken, als würdest du damit angeben, was dich nicht sehr teamfähig dastehen lässt. Dein Sportlebensauf ist also irrelevant, z.B. Vizemeister 2007, Pokalsieger 2014.

Ausnahme: Zeigst du durch deinen Meilenstein bestimmte Skills relevant für die Stelle oder eine Verknüpfung zur Marke (z.B. gesponserte Events von großen Unternehmen), solltest du es mit angeben.
Beispiel: 5km Joggen jeden Morgen seit 5 Jahren, Teilnahme an Run For the Oceans 2022

Wenn du dich bei adidas bewirbst, die den Run For the Oceans Lauf organisieren, zeigst du durch die eigene Teilnahme, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast und deren Mission teilst. 

Wie dir die Angabe von Sport das Bewerbungsgespräch erleichtern

Durch die Angabe deiner Sportart im Lebenslauf kannst du dir sicher sein, dass dein Interviewer im Laufe des Gesprächs darauf zurückkommen wird. Da du dich hier im vertrauten Gebiet bewegst, kann dies eigentlich nur ein Plus für dich sein. Denn: Bei Gesprächen über die Sportart kannst du deine Produkterfahrung zeigen, deine Stärken und einen Teil deiner Persönlichkeit.